SV 07 Elversberg – Rückblick auf die Regionalliga-Saison 2009/10

Mit Erhardt kehren Disziplin, Teamgeist und Erfolg zurück

von Achim Schreiner

Mit Erhardt kehren Disziplin, Teamgeist und Erfolg zurück.
Für unsere Sportvereinigung war die abgelaufene Regionalliga-Saison eine Spielzeit mit Höhen und Tiefen. Nach einem furiosen Start folgte bis zum Herbst ein dramatischer Absturz in den Tabellenkeller, ehe mit dem Trainerwechsel – Günter Erhardt für Djuradj Vasic – nach einigen Anlaufschwierigkeiten ein bemerkenswerter Aufwärtstrend begann. Durch die Titelverteidigung im Saarlandpokal und Rang Sieben – der bislang besten Regionalliga-Platzierung der Vereinsgeschichte – wurde die Runde schließlich doch noch recht erfreulich und erfolgreich abgeschlossen.

Um unter anderem den Abgang der beiden Leistungsträger Nico Zimmermann (1. FC Saarbrücken) und Denny Herzig (RW Essen) zu kompensieren, sollten ab dem Sommer des letzten Jahres mehrere Neuzugänge für frischen Wind an der Kaiserlinde sorgen. Mit Marc Gross (1. FC Kaiserslautern II), Jeton Arifi (SC Verl), Thorsten Reiß (FSV Ludwigshafen-Oggersheim), Denis Omerbegovic (Borussia Dortmund II), Haluk Türkeri (RW Essen), Niko Nakas (SV Wehen-Wiesbaden) und Emre Güral (Jahn Regensburg) kamen Verstärkungen für sämtliche Mannschaftsteile. Deren Integration schien schnell gelungen und die Chemie innerhalb der Truppe zu stimmen, denn gleich im ersten Pflichtspiel gegen den späteren Meister 1. FC Saarbrücken erwischten unsere Jungs einen Auftakt nach Maß. Spielerischer Glanz, erfrischender Angriffsfußball und nicht zuletzt das Endergebnis dieser Partie begeisterte die Fans in höchstem Maße. Vor 8000 Zuschauern im Neunkircher Ellenfeld erteilte man den Blau-Schwarzen eine 90-minütige Lehrstunde, die mit einem phänomenalen und vorher nie für möglich gehaltenen 6:0-Sieg endete. Tolle Kombinationen und Traumtore von Kapitän Martin Willmann und Co führten zu einem historischen Sieg gegen den Erzrivalen aus der Landeshauptstadt. Dabei hatte die Offensive der SVE eine Woche zuvor im DFB-Pokal gegen Zweitliga-Meister SC Freiburg praktisch überhaupt nicht stattgefunden. Nach einem über weite Strecken mut- und risikolosen Auftritt schieden die Vasic-Schützlinge gleich in der ersten Hauptrunde aus. Pure Konzentration auf die Defensive, eine Art Nichtangriffspakt unserer Elf und hinten nur möglichst lange „die Null halten“ waren gegen den an diesem Tag durchaus schlagbaren Bundesliganeuling nicht die richtigen Mittel um an einer möglichen Sensation zu schnuppern. So kamen die alles andere als souverän und erstligareif agierenden Breisgauer zu einem ungefährdeten und wenig spektakulären 2:0-Erfolg.

Doch zurück zur Regionalliga West!
Als Tabellenführer ging es im zweiten Saisonspiel zum SC Verl, wo man beim 1:1-Unentschieden mehrere klare Chancen aus- und am Ende zwei Punkte liegen ließ. Auf den Boden der Tatsachen geholt wurde unsere Mannschaft dann im darauf folgenden Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf II. Gemeinsam mit der Zweiten Mannschaft des VfL Bochum präsentierten sich die Rheinländer als die wohl stärkste Elf, die in der abgelaufenen Saison an der Kaiserlinde zu Gast war. Nach einer 0:3-Klatsche, einem verschossenen Elfmeter und einem Platzverweis von Innenverteidiger Cem Islamoglu war am Abend die Stimmung auf dem traditionellen „Bergfest“ bei Spielern und Anhängern entsprechend gedämpft. Hoffnung, sich dennoch auf Dauer im oberen Tabellenbereich festsetzen zu können, keimte dann nach den beiden anschließenden Spieltagen auf. Denis Omerbegovic und Martin Willmann sorgten in Bonn für den ersten Auswärtssieg der Saison (2:0) und durch ein überzeugendes 4:1 über den 1. FC Köln II schob man sich wenige Tage später bis auf Rang Drei vor. Denis Omerbegovic per Doppelpack sowie Emre Güral brachten seinerzeit die Schwarz-Weißen bereits in der ersten Hälfte auf die Gewinnerstraße, ehe Thomas Klasen in der Schlussminute zum Endstand traf. Mit viel Selbstvertrauen reiste das Team in der Folge nach Worms und zu Leverkusen II, konnte dort die zuvor gezeigten Leistungen allerdings nicht erneut unter Beweis stellen. Trotz Führung durch Jeton Arifi und zahlreicher weiterer Chancen verschenkte man bei der Wormatia (1:1) unnötig zwei Zähler und im Kölner Südstadion gegen die Zweite von Bayer Leverkusen sollte es noch bitterer werden. Erneut vergab die Mannschaft nach einer 1:0-Führung – Omerbegovic hatte getroffen – mehrere hundertprozentige Tormöglichkeiten, um bereits frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Stattdessen ließ man einen bis dato harmlosen Gegner im zweiten Abschnitt wieder ins Spiel kommen, kassierte den Ausgleich und wenige Minuten vor dem Abpfiff durch einen Foulelfmeter gar noch das 1:2. Eine höchst ärgerliche Niederlage, welche die Elf in eine wochenlange Krise stürzte. Die weiteren Resultate: 0:1 zu Hause gegen ganz schwache Trierer und „dank“ eines kapitalen Schnitzers von Torwart Adnan Masic, 0:2 in Essen und 0:1 daheim gegen die Jungs von Preußen Münster, die einmal in 90 Minuten auf den Elversberger Kasten schossen und dennoch als Sieger vom Feld gingen. Drei Partien ohne Punkt und Tor, eine zunehmend leblos wirkende Mannschaft und der Absturz auf Platz 13 führten schließlich Anfang Oktober zur Beendigung der Zusammenarbeit mit Trainer Djuradj Vasic. Für ihn übernahm der bis zu diesem Zeitpunkt für das Oberligateam zuständige Günter Erhardt das Zepter und mit ihm auf der Kommandobrücke ging es für die SVE ganz langsam, aber dennoch stetig wieder bergauf. Allerdings war es für den neuen Coach in den ersten Monaten ein sehr harter und steiniger Weg, die Truppe in Sachen Disziplin, Zusammenhalt und Leistungsvermögen wieder auf Vordermann zu bringen. Zu sehr hatte sich unter seinem Vorgänger der berühmte Schlendrian eingeschlichen. Unter Erhardt hatte sich fortan jeder Einzelne dem Erfolg des Vereins unterzuordnen und jeder die Pflicht, dafür alles zu geben. Auf und neben dem Platz. Zudem krempelte der Vasic-Nachfolger die Mannschaft auf einigen Positionen um, installierte Akteure wie Andreas Backmann, Alexander Ernst, Said Chouaib oder Marc Gross – zuvor fast ausschließlich in der Zweiten eingesetzt – als feste Größen des Regionalligakaders. Außerdem vollzog der Coach einen Wechsel auf der Torhüterposition. Für den immer mehr zum Unsicherheitsfaktor gewordenen Adnan Masic rückte der ehemalige Lauterer Jens Kern zwischen die Pfosten. Taktische und personelle Veränderungen führten in den ersten Begegnungen unter der Führung von Günter Erhardt auch gleich zu positiven Ergebnissen. Ein hochverdienter Punktgewinn beim damaligen Tabellenführer Lotte (0:0) und ein 4:0 zu Hause gegen Gladbach (Torschützen: Chouaib, Reiß, Güral und Ernst) ließen Verantwortliche und Fans wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Doch die Formkurve ging anschließend hoch und runter und dies fast Woche für Woche. Einem 1:1 in Mannheim folgte eine 0:2-Niederlage auf heimischem Terrain gegen Bochum II, danach siegte man 2:1 in Mainz und verlor sieben Tage später wiederum zu Hause mit 0:4 gegen die „kleinen“ Roten Teufel aus Kaiserslautern. Zum Abschluss der Vorrunde gelang ein 1:0-Sieg beim FC Schalke 04 II und im letzten Pflichtspiel vor Jahresfrist musste man sich beim Derby im Saarbrücker Ludwigspark mit 0:1 geschlagen geben. Die sportliche Achterbahnfahrt der Hinserie ließ unsere Mannschaft schließlich mit 22 Punkten auf Rang 12 überwintern, gerade einmal zwei Zähler betrug der Vorsprung zu den Abstiegsplätzen.

„Die Ausgangssituation, als ich die Mannschaft übernommen hatte, war sehr schwierig. Wir befanden uns damals im freien Fall, was die Arbeit anfangs nicht leicht machte. Es war keine einfache Zeit. Aufgrund der Tabellensituation konnte das primäre Ziel nach der Winterpause erst einmal nur der Klassenverbleib sein“, so Trainer Günter Erhardt rückblickend. „Als Mannschaft haben wir mit Beginn des neuen Jahres dann aber eine gute Entwicklung genommen. Nach und nach sind die Jungs zu einer echten Einheit geworden, so dass man mittlerweile von einer tollen Truppe sprechen kann. Wir hatten zwei, drei Ereignisse in der Vorrunde beziehungsweise kurz nach der Winterpause, die nicht besonders schön waren und die klare Konsequenzen erforderten. Es ging um Verhaltensweisen einzelner Spieler, die ich als Trainer und der Verein als Arbeitgeber nicht dulden konnten. Entsprechend mussten wir dann auch reagieren.“

Innenverteidiger Cem Islamoglu wurde fristlos gekündigt, Torwart Jens Kern und Verteidiger Robert Paul wurden abgemahnt. Letztere sollen sich über das angeblich zu stramme Trainingspensum beschwert haben, Islamoglu soll sich geweigert haben, zum Nachholspiel bei Fortuna Düsseldorf (1:2) mitzufahren. Zuvor war man mit einer absolut vermeidbaren 3:4-Niederlage in Köln in die Restrückrunde gestartet. Danach aber kehrte Ruhe ein, das „Betriebsklima“ besserte sich zunehmend und es ging aufwärts, weil sich die Mannschaft endlich auf das Wesentliche, nämlich das Fußball spielen konzentrierte. In den Nachholbegegnungen zu Hause gegen Verl (1:0), Bonn (1:1), Leverkusen II (1:0) und Worms (1:0) legten die Erhardt-Schützlinge nicht nur frühzeitig die Grundlagen zum Klassenverbleib, sondern stellten auch die Weichen für eine bärenstarke zweite Saisonhälfte. Zweimal avancierte dabei Emre Güral mit sehenswerten Treffern zum Matchwinner, zweimal war der im Winter aus Belgien verpflichtete Neuzugang Faysal El Idrissi (ehemals 1. FC Saarbrücken) der goldene Torschütze. Mehr und mehr präsentierte sich das Team nun als homogenes sowie lauf- und kampfstarkes Kollektiv, das weiter fleißig Punkte sammelte und zunehmend begeisterte. Vor allem die stabile und sehr gut harmonierende Defensive um Abwehrchef Andreas Backmann, Matthias Kühne und Torwart Matthias Kuhn wurde zu einem ganz wesentlichen Erfolgsbaustein. Und vorne war auf „Knipser“ Emre Güral sowie die Qualitäten von Kapitän Martin Willmann oder auch Denis Omerbegovic zumeist Verlass. Nach einem Zähler, den man aus Trier mitbrachte (0:0), trennte man sich zu Hause ebenfalls torlos von Rot-Weiß Essen, hätte gegen den Traditionsclub aus dem Ruhrpott einen Sieg aber mehr als verdient gehabt. Dafür schnappte sich die Elf eine Woche später beim 1:0-Erfolg in Münster (Torschütze: Emre Güral) einen weiteren „Dreier“. Nach einem 1:1 zu Hause gegen Lotte zeichnete der türkische Youngster beim 1:0-Sieg in Mönchengladbach dann erneut als Goalgetter vom Dienst verantwortlich. Lediglich beim 1:0 in Bochum „gönnte“ er den Treffer des Tages einem anderen, nämlich Adam Fall. Insgesamt gelangen dem aus Regensburg gekommenen Nachwuchstalent acht Saisontreffer, wodurch er sich gemeinsam mit Denis Omerbegovic an die Spitze der mannschaftsinternen Torjägerliste setzte. Gefolgt von Martin Willmann mit sieben Toren. Die beiden zuletzt genannten sicherten am drittletzten Spieltag auch den 2:1-Heimsieg gegen Mainz 05 II. Von Mitte März bis zum Saisonende am 29. Mai 2010 mussten sich unsere Jungs nur noch zweimal geschlagen geben. Zu Hause gegen Waldhof Mannheim und auf dem Lauterer Betzenberg kassierte man jeweils eine 1:2-Niederlage. Dennoch standen nach dem 2:0-Erfolg zum Abschluss gegen Schalke 04 II stolze 50 Punkte und Platz 7 zu Buche. Dies gelang bis dato noch keiner Elversberger Mannschaft in der Regionalliga. Dazu belohnte sich das Team von Günther Erhardt mit einem erneuten Triumph im Saarlandpokal, wo im Endspiel Borussia Neunkirchen mit 1:0 bezwungen wurde. Die damit verbundene Qualifikation für die erste Hauptrunde um den DFB-Pokal beschert unserer SVE zu Beginn der neuen Saison wiederum ein Aufeinandertreffen mit einem Bundesligisten. So wird am Samstag, dem 14. August, um 19.30 Uhr Hannover 96 zu Gast an der Kaiserlinde sein. Eine Woche vorher starten unsere Jungs in die neue Regionalliga-Saison. Ab dann gilt es für die Mannschaft, an das tolle letzte Halbjahr anzuknüpfen, sich auf die unter Trainer Günther Erhardt neu entdeckten Erfolgstugenden zu besinnen und in ihrer Entwicklung weitere Schritte nach vorn zu machen.